Offener Brief bayerischer Mobbing-Initiativen an Bundestagsabgeordnete: Beschäftigte vor Mobbing am Arbeitsplatz schützen!

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Netzwerk Konfliktkultur und Mobbing im Großraum Nürnberg
Netzwerk Konfliktkultur aus Betrieben und Organisationen im Großraum München

Sehr geehrte(r) Herr/Frau Abgeordnete(r),

wir gratulieren Ihnen zu Ihrer Wahl in den 20. Deutschen Bundestag und wünschen Ihnen alles Gute und viel Kraft für die vielen Aufgaben, die vor Ihnen liegen!

Mit diesem Brief wenden wir uns mit einem Anliegen an Sie, das uns aufgrund unseres langjährigen Engagements für eine konstruktive Konfliktkultur in der Arbeitswelt besonders am Herzen liegt: Einen effektiven Schutz vor Mobbing und Psychoterror am Arbeitsplatz.

Aus dieser Erfahrung heraus wissen wir, wie vielschichtig Konflikte im Arbeitsleben sind. Auch erleben wir bei vielen Arbeitgebern ein Interesse an einer positiven Betriebskultur und an einem fairen Umgang miteinander, auch wenn dies im betrieblichen Alltag nicht immer einfach ist.

Aber es gibt auch eine ganz andere Realität. In vielen Fällen wenden sich Menschen an uns, die über einen längeren Zeitraum hinweg unter gezielten Angriffen auf ihre Persönlichkeit, unter Schikanen und Diskriminierungen leiden. Selbst wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld zu psychosomatischen und psychischen Erkrankungen führt, kommt es nicht selten vor, dass Vorgesetzte untätig bleiben. Von einigen Arbeitgebern wird Mobbing geradezu strategisch eingesetzt, um Mitarbeitende zur Kündigung zu treiben. Auf diese Weise verschaffen sie sich gegenüber Unternehmen, die ihrer Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitenden nachkommen, einen unfairen Wettbewerbsvorteil.

Doch auch wenn ein solches Verhalten klar dokumentiert ist, ist es in Ermangelung einer rechtlichen Definition von Mobbing in den allermeisten Fällen unmöglich, von der Arbeitgeberseite konkrete Maßnahmen einzufordern.

Dass Psychoterror am Arbeitsplatz kein Randphänomen ist, sondern Millionen von Menschen betrifft, hat der von der Bundesregierung in Auftrag gegebene „Mobbing-Report“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bereits 2002 gezeigt: Jeder neunte Beschäftigte war demnach bereits einmal von Mobbing betroffen. So, wie es ist, kann es nicht bleiben!

Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, Mobbing als Rechtsbegriff zu definieren und eine Rechtsgrundlage zu schaffen, die einen effektiven Rechtsschutz vor Psychoterror am Arbeitsplatz schafft.

Als einen wichtigen Schritt zu einem Gesetz halten wir eine Neuauflage des Mobbing-Reports von 2002 für dringend erforderlich.

Mit freundlichen Grüßen

Nina Golf
Susanne Schneider
Netzwerk Konfliktkultur und Mobbing im Großraum Nürnberg  

Ludwig Gunkel
Netzwerk Konfliktkultur aus Betrieben und Organisationen im Großraum München

Dieser Brief wird unterstützt von folgenden Organisationen:
Arbeitsstelle kokon für konstruktive Konfliktbearbeitung in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Bundesverband Mediation in der Arbeitswelt – Regionalgruppe Franken
DGB Deutscher Gewerkschaftsbund Region Mittelfranken
Diakonisches Werk Bayern
Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg
Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH
Katholische  Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg – Beratung bei Konflikt und Mobbing in der Arbeitswelt
Katholische Betriebsseelsorge Nürnberg
Katholische Betriebsseelsorge im Bistum Eichstätt
kda – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Kirche
Klinikum Nürnberg
Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg
Mobbing Beratung München
ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – Bezirk Mittelfranken

Die unterzeichnenden Organisationen arbeiten im „Netzwerk betriebliche Konfliktkultur und Mobbing in Arbeitswelt und Schule im Großraum Nürnberg“ sowie im „Netzwerk Konfliktkultur in München“ zusammen. Sie treffen sich regelmäßig zu inhaltlicher Fortbildung, kollegialem Austausch und veranstalten für die Öffentlichkeit Fachtage, Fachvorträge und Ausstellungen.

Der Offene Brief wurde 45 mit dieser Thematik oder regional mit (Nord-)Bayern verbundenen neu gewählten Bundestagsabgeordneten übermittelt. Wir hoffen, dass dies ein kleiner Beitrag ist, das Thema in den gerade beginnenden Koalitionsverhandlungen ein Stück weit voranzubringen.